Olger M Olsen, 1947 in Kopenhagen geboren, wächst überwiegend in Ostwestfalen, Deutschland auf; er studiert Mathematik, Physik und Philosophie.
Seit Beginn seiner ersten künstlerischen Arbeiten steht auch seine Haltung gegenüber der kommerziellen Seite der Kunst fest. Und diese Haltung heißt: Distanz, Distanz gegenüber dem Kunstmarkt, seien es Galerien oder etablierte Verlage, getreu seinem Motto:
»Sobald der Künstler sich gesellschaftlich stabilisiert, hat er bereits verloren.«
– Meilen einer Otter 2
Nach Olsen ist nicht derjenige Künstler, der als Kunst-Produzent den Markt bedient, der auf den oberen Rängen der Bestsellerlisten rangiert und Höchstgebote erzielt. Für ihn ist der Künstler Vordenker, Wegbereiter in der Gesellschaft. Dies impliziert sowohl Verantwortung dem eigenen Werk gegenüber als auch den Menschen, der Gesellschaft. Denn
»… künstlerisches Schöpfen befragt die Welt auf mögliche Zukunften.«
– Meilen einer Otter 2
Das kreative Schaffen unterliegt einer eigenen Dynamik, die mit Terminverpflichtungen auf Lesetourneen und publikumswirksamen Auftritten nicht kompatibel ist. Damit droht das Scheitern an der eigenen Aufgabe, und das heißt dann, nach Olsen, dass der Künstler verloren hat. Erkenntnisprozesse verlangen den Rückzug von schnelllebigen Erfolgen.
Daraus erwächst dem Literaten, dem Maler allerdings das Dilemma, das künstlerisches Schaffen seit je begleitet, die drohende Diskrepanz zwischen Kunst-Arbeit und Sicherung der persönlichen Existenz.
Olger M Olsen wählt den doppelgleisigen Weg. Über viele Jahre hinweg zieht er es vor, in verschiedenen Berufszweigen tätig zu sein, so als Redakteur, Schriftleiter, als Dozent in Bildungseinrichtungen, als Fachbuchautor, um solcherart sein Dasein zu sichern und immer wieder Zeiten finanzieller Unabhängigkeit zur Verfügung zu haben, in denen er ausschließlich seiner künstlerischen Arbeit verpflichtet ist und fundamentale Erkenntnisse erarbeiten und kreatives Schaffen in Wort und Bild übersetzen kann.
Seit Ende der siebziger Jahre ist sein geographisches Lebensumfeld ein Hof in der Nähe von Bremen. Hier lernt er den Maler Arrigo Wittler kennen und pflegt einen jahrelangen Kontakt. In der Trilogie Meilen einer Otter setzt sich Olsen im zweiten Band mit einem Werk dieses Künstlers auseinander. Anläßlich einer Galerieeröffnung mit den Bildern Wittlers liest der Schauspieler und Moderator Helmut Lange aus eben diesem Band von Olger M Olsen
In dieses Jahrzehnt fallen auch ausgedehnte Reisen, die ihn nach Griechenland und in die Türkei führen; es folgt eine mehrmonatige Exkursion durch den sog. Ostblock zur Zeit des ‚Kalten Krieges‘, die durch Jugoslawien, Rumänien, Bulgarien bis in die UdSSR führt. Ein Aufenthalt in Varna begründet die Freundschaft zu führenden Künstlern Bulgariens wie beispielsweise Toma Tomov und Stoimen Stoilov. Später bereist er die Länder Skandinaviens und verbringt längere Zeit in Italien und Portugal.
Ende der 80er Jahre läßt er sich in der Lüneburger Heide nieder, wo er in den kommenden 25 Jahren den größten Teil seines Werkes verfaßt und für sich einen neuen Bereich der bildenden Kunst erschließt durch die Skulpturen und Plastiken, die dort entstehen, bis er 2015 im deutsch-französischen Grenzgebiet einen neuen Daseinsort findet.
Sein Leben wie sein Werk sind geprägt durch die stete Erkundung neuer kreativer Ausdrucksformen und die unermüdliche Suche nach tieferem Erkennen. Aufgaben im Hier und Jetzt, das Verhalten im menschlichen Miteinander und im Kontakt mit Natur und Umwelt, Fragen des Woher und Wohin sind zentrale Punkte seines Denkens und Handelns, stets im Entwurf auf das Du als Bezugsbasis für persönliche Entwicklung, für verantwortungsvolles Tun im gesellschaftlich-kulturellen Rahmen und für die Möglichkeit des Überstiegs zur Transzendenz.
Am 19. November 2018 endet die wechselvolle Lebensreise Olger M Olsens auf dieser Erde.
» … und eines tages löst sich der sprung,
gefriert der stand,
alter, wirst an das ersprungene herangeführt,
selbst,
und der letzte sprung wäre der,
der in der luft verbleibt, immerdar.«
– Wolfs-Tanz, der Sprung